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Münsters Lokalzeitungen und ihr Westline

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Update 21.07.2015: Inzwischen hat sich viel verändert in der Münsterschen Medienlandschaft und Westline gibt es immer noch. Allerdings ist die Reichweite in Zeiten wachsender Online-Reichweiten weiter gesunken. Inzwischen liegt Westline deutlich außerhalb der TOP50 Nachrichtenseiten auf Rang 443 (AGOF). Und das vor fünf Jahren vorhergesagte mittelfristige Ende scheint jetzt zumindest für das Nachrichtenportal Westline auch zu kommen: Westline kündigt in den Fußballforen einen großen optischen wie inhaltlichen Relaunch an. In Zukunft wird das Portal sich nur noch auf den Fußball in Westfalen konzentrieren. Diese Konzentration auf die Kernkompetenz erscheint sinnvoll und ich wünsche Westline und dem Team viel Erfolg!

 

Ursprünglicher Text 08.03.2010:

In Münster konkurrieren sie, die der Aschendorff Verlag (Westfälische Nachrichten) und das Medienhaus Lensing (Münstersche Zeitung, Ruhr Nachrichten, Grevener Zeitung u.a.). Im Internet haben WN und MZ seit einigen Jahren eigene Auftritte. Doch vor mehr als zehn Jahre, als das Internet wohl noch eher eine Randerscheinung als die „Zukunft des Journalismus“ war, da haben sie zusammengearbeitet. Zusammen mit dem Medienhaus Bauer (Recklinghäuser Zeitung u.a.) starteten sie „Westline„. Hier laufen seit dem hauptsächlich die Artikel der verschiedenen Zeitungen online zusammen. Es gibt auch eine eigene Redaktion, die erst kürzlich zusammengestrichen wurde. Meiner Einschätzung nach ist der Hauptusermagnet das Fußballforensystem. Die Foren über den BVB, S04, Bochum und auch den glorreichen SC Preußen Münster sind seit langem eine feste Größe. Lange Zeit mit einer altmodischen Software und mit „harter Hand“ von der Redaktion betrieben, wurde das Westline-Forum des SCP zwar in der Münsterschen Fanszene auch oft belächelt, boykottiert oder beschimpft, ist aber bis heute trotz (von mir mitgegründeter Konkurrenz) die klare Nummer Eins. Erst vor kurzer Zeit gab es einen Relaunch der Seite und damit auch der Forensoftware auf einen aktuellen Stand der Technik.

Doch das alles scheint nicht zu helfen. Wenn die Verlage eigene Seiten betreiben, teilweise mit eigenen Foren und diese immer mehr ausbauen – was soll dann noch Westline? Wie lange werden die Verlage das gemeinsame Spiel noch spielen? Es scheint als könne oder wolle man auf die Klicks von Westline noch nicht verzichten, doch auch das ändert sich.

Die IVW hat gerade die Top-50 der Nachrichtenwebsites (Meedia.de) bekannt gegeben. Aufmerksam wurde ich darauf übrigens durch den Twitter-Account der MZ, der freute sich über den Platz 31 für das Medienhaus Lensing. Interessant ist aber Platz 46: Westline mit 330.594 Klicks weniger als im Vormonat. Das ist bei 1.007.598 Klicks insgesamt ein Verlust von knapp einem Viertel der Reichweite. Die IVW-Seite Meedia-Seite dazu:

Auch große Verlierer gibt es auf den Rängen 26 bis 50. Die WirtschaftsWoche büßte 10,4% ihrer Januar-Visits ein, die Abendzeitung 10,6% und westline, Angebot verschiedener Tageszeitungen, sogar heftige 24,7%.

Nun kann es sicher auch am Relaunch liegen, die neue Software führt vielleicht zu weniger Klickorgien. Visits sind wohl kaum die Währung der Zukunft, was Reichweiten im Internet angeht. Trotzdem kann der Verlust doch nicht nur an der neuen Technik liegen. In den Verlagen wird dieser Einbruch sicher auch wahrgenommen.

Und wenn die Verlage ihre Zeitung auch im Internet als starke Marken positionieren wollen, dann wird ihnen Westline als dritter (nimmt man echo-muenster.de hinzu sogar als vierter) Player immer im Wege stehen. Für die Leser ist das positiv: Warum soll er zum Beispiel auf die Preußenseiten der MZ oder der WN gehen, wenn er doch bei Westline auf einer Seite alle Artikel zusammengeführt bekommt (Siehe Montage, zum Vergrößern anklicken)? Gleiches gilt für die Lokalnachrichten. Für die Zeitungen ist das gefährlich. Auf einem „neutralen“ Portal nimmt der Leser viel schwerer wahr, von welcher Zeitung der gelesene Artikel kommt. Qualitätsunterschiede zwischen den Konkurrenten werden verwässert, Unterschiede gehen unter. Ein echtes Profil können sich die Zeitungen und ihre Redakteure nur auf der eigenen Seite schaffen.

Diese Kombination aus Einbruch der Klickzahlen und konkurrierenden Betreibern der Seite könnte das mittelfristige Ende des Portals bedeuten.


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  1. Achso noch was: Visits sind nicht die Währung der Zukunft? Warum nicht. Klickorgien werden durch die Zählunder Page-Impressions belohnt. Für die Zählung von Visits ist die Zahl der PIs völlig egal.

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  2. Oh, ich hatte mich schon gewundert, da dort aber steht das zum Beispiel die NOZ ihren Zuwachs nicht „Tricks wie Spielen“ verdankt, habe ich geschlossen, dass mit Visists hier PI gemeint sind.
    Aber das verstärkt die Aussage ja noch, dann liegt der Einbruch auf keinen Fall an der Technik.

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